Ein Brief an deine Seele

© MICHÈLE BACHMANN COACHING

Du, der Mensch, der das hier liest.
Ja, du.

Nicht die Version von dir, die du der Welt zeigst.
Nicht die, die funktioniert, lächelt, liefert.

Ich meine dich.
Den echten Menschen.
Den unter all den Schichten.
Den, den du manchmal selbst kaum noch erkennst.

Ich möchte dir etwas sagen,
das du vielleicht lange nicht hören konntest:

Ich weiss, wie müde du bist.

Nicht körperlich.
Nicht von der Arbeit.
Nicht vom Alltag.

Ich meine diese andere Müdigkeit.
Die, die tief sitzt.
Die, die du nicht erklären kannst.
Die, die du wegdrückst,
weil du glaubst,
dass niemand sie verstehen würde.

Diese Müdigkeit kommt nicht davon,
dass du zu wenig schläfst.
Sie kommt davon,
dass du dich zu lange selbst verlassen hast.

Ja.
Ich sage es so klar.
Weil es wahr ist.
Weil du es weisst.
Weil du es fühlst,
auch wenn du es selten zulässt.

Du hast dich verlassen,
als du geblieben bist,
obwohl alles in dir gehen wollte.

Du hast dich verlassen,
als du geschwiegen hast,
obwohl deine Wahrheit in dir brannte.

Du hast dich verlassen,
als du dich klein gemacht hast,
damit andere sich gross fühlen konnten.

Du hast dich verlassen,
als du dich selbst übergangen hast,
um niemanden zu enttäuschen.

Und irgendwann, ganz leise,
hat deine Seele angefangen zu flüstern:

„Ich bin noch da.
Bitte hör mich.“

Vielleicht hast du sie überhört.
Vielleicht hattest du Angst.
Vielleicht warst du zu beschäftigt damit,
zu funktionieren.

Aber weisst du, was das Erstaunliche ist?

Deine Seele ist geduldig.
Sie wird nicht laut.
Sie wird nicht wütend.
Sie wird nicht nachtragend.

Sie wartet.
Sie wartet auf den Moment,
in dem du wieder still genug wirst,
um sie zu hören.

Vielleicht ist dieser Moment jetzt.
Vielleicht ist er genau hier
in diesen Zeilen,
in diesem Atemzug,
in diesem leisen Ziehen in deiner Brust.

Vielleicht spürst du gerade etwas,
das du lange nicht mehr gespürt hast.

Eine Sehnsucht.
Eine Wärme.
Eine Erinnerung.

Die Erinnerung daran,
wer du warst,
bevor du dich selbst verloren hast.

Bevor du dich angepasst hast.
Bevor du dich klein gemacht hast.
Bevor du dich selbst vergessen hast,
um zu überleben.

Und ich möchte dir etwas sagen,
das du vielleicht nicht glaubst,
aber tief in dir weisst:

Du bist nicht kaputt.
Du bist nicht zu spät.
Du bist nicht zu viel.
Du bist nicht zu wenig.

Du bist eine Seele,
die sich nach sich selbst sehnt.
Nach Wahrheit.
Nach Klarheit.
Nach Nähe.
Nach dir.

Es gibt einen Schmerz,
den du lange getragen hast.
Einen Schmerz,
der nicht von anderen kommt,
sondern von dir.

Der Schmerz darüber,
dass du dich selbst
so oft im Stich gelassen hast.

Aber weisst du,
was noch grösser ist als dieser Schmerz?

Die Liebe, die du immer noch für dich hast.

Ja.
Du hast sie.
Auch wenn du sie kaum spürst.
Auch wenn du glaubst,
dass sie verschwunden ist.

Sie ist da.
Sie war immer da.
Sie hat dich getragen,
als du dich selbst nicht mochtest.
Sie hat dich gehalten,
als du dachtest,
du würdest zerbrechen.
Sie hat dich weitergeführt,
als du aufgegeben hast.

Diese Liebe ist leise.
Aber sie ist unzerstörbar.

Und vielleicht, nur vielleicht,
ist jetzt der Moment,
an dem du ihr wieder Raum gibst.

Nicht indem du dein Leben umkrempelst.
Nicht indem du alles veränderst.
Nicht indem du perfekt wirst.

Sondern indem du ehrlich wirst.
Ehrlich mit dir.
Ehrlich mit dem, was du fühlst.
Ehrlich mit dem, was du brauchst.
Ehrlich mit dem,
was du nicht mehr willst.

Die Rückkehr zu dir
passiert nicht in einem grossen Schritt.
Sie passiert in kleinen Momenten.

In einem Atemzug, der tiefer geht.
In einem Gedanken, der weicher wird.
In einem Satz, der dich trifft.
In einer Träne,
die du nicht mehr zurückhältst.

Und manchmal beginnt sie
mit einem einzigen, stillen, mutigen Gedanken:

„Ich muss das nicht mehr alleine machen.“

Dieser Gedanke ist kein Hilferuf.
Er ist ein Erwachen.
Ein Aufstehen.
Ein erstes, zartes Ja
zu dir selbst.

Und wenn du diesen Moment spürst,
dann hat deine Seele dich erreicht.

Dann hat sie dich berührt.
Dann hat sie dich zurückgerufen.
Dann hat sie dich erinnert.

An dich.
An deine Wahrheit.
An deine Würde.
An deine Tiefe.
An deine Stärke.
An deine Zärtlichkeit.
An deine Sehnsucht.
An deine Liebe.

An das, was du immer warst.
Und immer sein wirst.

Eine Seele, die sich erinnert.
Eine Seele, die zurückkehrt.
Eine Seele, die wieder lebt.

Denn du hast dich nie wirklich verlassen.
Du hast dich nur eine Zeit lang nicht mehr gespürt.
Und jetzt findest du den Weg zurück.

Zu dir.
Zu deinem inneren Licht.
Zu dem Menschen, der du immer warst.
Hier.
Bei dir.